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Besucht man
heutzutage einen mittelalterlichen Markt, so kommt man nicht um sie herum:
Trinkhörner! Sie baumeln an den Gürteln mehr oder weniger korrekt
gewandeter Besucher oder Darsteller oder warten auf Käufer. Auch wenn es
kaum ein unpraktischeres Trinkgefäß gibt: So ein Trinkhorn hat das
besondere Etwas und passt wunderbar zum Met. Wir wollten wissen wie man
Trinkhörner selbst herstellen kann. Zunächst aber eine geschichtlicher
Exkurs zum Thema Trinkhorn.
Wie authentisch sind
Trinkhörner?
Mehr oder weniger gute
Hollywoodfilme prägen unser Bild von den Wikingern als Met aus
Trinkhörnern saufende Raubeine. Unvergessen und von mir immer wieder gern
gesehen: Kirk Douglas in "Die Wikinger". Aber wie authentisch sind
Trinkhörner eigentlich?
Über dieses Thema wird viel
gestritten, und auch die Archäologie kann diese Frage nicht eindeutig
beantworten. Denn im Gegensatz zu anderen Materialien wie Keramik, Stein
oder Metall verrottet Horn sehr schnell. Nicht umsonst sind Hornspäne ein
hervorragender Dünger für den Garten. Die Chance, bei Ausgrabungen ein
intaktes Trinkhorn zu finden, ist also sehr gering. Lediglich die reich
verzierten Beschläge von so genannten Prunkhörnern überdauern die
Jahrhunderte. Solche Beschläge wurden z.B. im Grab des Keltenfürsten von
Hochdorf oder bei den Wikingerfunden von Birka gefunden. Diese
Prunkhörner dienten vermutlich rituellen Zwecken.
Es gibt keinen Hinweis darauf,
dass Trinkhörner alltägliche Gebrauchsgegenstände waren. Das Fehlen
archäologischer Belege schließt eine alltägliche Nutzung freilich nicht
aus. Nun, dies ist ein Thema, über das man vortrefflich streiten kann, bis
die Archäologie uns hoffentlich weitere Fakten liefert. Bis dahin wollen
wir es dabei belassen und uns lieber der Herstellung von Trinkhörnern
zuwenden.
Die Herstellung von
Trinkhörnern
Was ist ein Horn?
Beschäftigen wir uns zuerst mit
der Frage, was ein Horn ist und was nicht. Im allgemeinen Sprachgebrauch
tragen viele Tiere ein Horn, z.B. das Nashorn, Rinder, Ziegen und Schafe,
der Nashornvogel oder der Nashornkäfer. Oft werden auch die Geweihe von
Hirsch und Reh als Horn bezeichnet.
Viele dieser Bezeichnungen sind
nicht korrekt. Hörner sind die meist paarigen Auswüchse auf den
Köpfen von Wiederkäuern wie Rind, Ziege und Schaf. Hörner werden von den
Tieren ein Leben lang getragen, und anhand der Größe und der Form des
Horns kann man oft auf das Alter und das Geschlecht des Tieres schließen.
Das Horn beseht aus einem Knochenzapfen, der mit der Hornsubstanz Keratin
überzogen ist. Keratin findet sich auch in Haaren und Fingernägeln. Horn
wird übrigens von der EU-Kommission auf die Übertragung des BSE-Erregers
hin als bedenkenlos eingestuft, da sich keine Nerven im Horn befinden.
Rehe, Hirsche, Elche, Damwild usw.
tragen hingegen ein Geweih. Dieses besteht aus einer massiven
Knochensubstanz. Das Geweih wird einmal im Jahr abgeworfen und wächst dann
erneut.
Von
welchen Rindern werden Hörner angeboten?
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Deutsche Rot- und
Schwarzbunte (Regionalrassen wie Fleckvieh, Angeliter usw.): Bei den
in Deutschland zur Zeit am meisten verbreiteten Rinderrassen handelt es
sich um Tiere mit kleinen, leicht geschwungenen Hörnern. Auch regional
begrenzte Rassen wie Angeliter oder Fleckvieh haben keine größeren
Hörner. Das Volumen liegt meistens unter 500 ml. Um das
Verletzungsrisiko der Tiere in der heutigen Tierzucht gering zu halten
werden die Hornzapfen bei jungen Tieren oft gebeizt, so dass kein Horn
mehr wachsen kann. Einige Rassen wie Galloways und Deutsche Angus tragen
keine Hörner.
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Highland Cattle: Eine
Rasse mit langen, schlanken und leicht gedrehten Hörnern. Diese Tiere
sind etwas kleiner, haben lange Haare und haben ein gutmütiges Wesen.
Deutschland ist mittlerweile eines ihrer Hauptverbreitungsgebiete.
Produkte dieser Tiere werden oft in Direktvermarktung angeboten.
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Watussi-Rind: Eine in
Afrika beheimatete Rinderrasse mit ausgesprochen großen Hörnern, die ein
Fassungsvermögen von bis zu 7,5 l aufweisen können. Die Tiere gelten als
ausgesprochen genügsam.
Woher bekomme ich
schlachtfrische Hörner?
Schlachtfrische Hörner (Abb. 14.1) zu besorgen
ist nicht ganz einfach. Man kann es bei kleineren Metzgerei auf dem Lande
versuchen, welche noch selber schlachten. Dort bekommt man oft die
Auskunft, dass so selten Rinder mit Hörnern geschlachtet werden, das man
leider keine Hörner verkaufen kann. Bei den größeren Schlachthöfen bekommt
man die Auskunft, das man aufgrund der BSE- Problematik kein Material vom
Kopf abgibt.
Am besten versucht man
Direktvermarkter in seiner Nähe anzusprechen, welche z.B. Highland Cattle
halten. Haben sie einen Verkäufer für schlachtfrische Hörner gefunden
sollten sie zur Abholung mehrere Tüten mitbringen um die Hörner darin
einzuwickeln um die Geruchsbelastung im Auto gering zu halten.
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Abb. 14.1: Schlachtfrische
Hörner sind unser Ausgangsmaterial. Im Ausschnitt rechts kann
man sehr gut den Knochenzapfen und dem Übergang zum eigentlichen
Horn erkennen. |
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Woher bekomme ich unbearbeitet
Hörner?
Unbearbeitet Hörner werden auf
mittelalterlichen Märkten, bei Ebay oder in einigen Onlineshops angeboten.
Aus diesen meist abgelagerten Hörnern wurden die Knochenzapfen entfernt,
und man kann mit der Bearbeitung sofort beginnen.
Die Entfernung der Hornzapfen
Das Horn wächst auf einem Zapfen
welcher ein Teil des Rinderschädels ist. Zwischen dem Horn und dem
Knochenzapfen befindet sich eine sehr gut durchblutete Haut. Diese Haut
muss zerstört werden damit man den Knochenzapfen aus dem Horn entfernen
kann. Es gibt zwei Möglichkeiten, dies zu erreichen:
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Man lässt den Zapfen
herausfaulen. Dazu bringt man das Horn an eine möglichst weit von der
Zivilisation entfernten Stelle. Außerdem muss Sorge getragen werden,
dass das Horn nicht von wilden Tieren verschleppt werden kann. Nun lässt
man der Natur ihren Lauf. Fäulnisprozesse und Maden greifen das weiche
Material zwischen Horn und Zapfen an, bis man den Knochenzapfen
herausziehen kann. Die Geruchs- und Ungezieferbelastung ist dabei
erheblich. Man sollte schon einen gesunden Magen besitzen.
Verschiedentlich findet man die Empfehlung, man soll das Horn in Wasser
legen. Ein gelegentlicher Wasserwechsel kann die Geruchsbelästigung
vermindern. Dabei quellen allerdings die oberen Hornschichten auf und
das Horn wird extrem rau. Außerdem nimmt das Horn dadurch den
Fäulnisgeruch stärker an.
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Das Horn wird gekocht. Dazu gibt
man die Hörner in einem großen Topf mit Wasser, der möglichst außerhalb
der Wohnung im hintersten Winkel des Gartens aufgestellt wird (Abb.
14.2A). Die
Hörner sollten ganz mit Wasser bedeckt sein. Nun werden die Hörner vier
bis fünf Stunden lang gekocht. Passen die Hörner aufgrund ihrer Länge
nicht komplett in den Topf, so müssen sie erst von der einen Seite vier
Stunden gekocht werden, werden anschließend gedreht und weitere vier
Stunden lang gekocht. Man sollte dabei die Seite mit den Hornspitzen
zuerst kochen. Danach nimmt man das Horn aus dem kochenden Wasser
versucht den Hornzapfen aus dem Horn zu ziehen. Dabei sollte man zu
zweit arbeiten: Eine Person hält das Horn (Topflappen nicht vergessen),
die zweite Person zieht mit einer Wasserpumpenzange am Zapfen (Abb. 14.2
B und C). Bei
gedrehten Hörnern braucht man dazu Zeit und Gefühl. Immer daran denken:
Das Hornmaterial ist durchweicht und ist deshalb sehr empfindlich. Die
Hörner sollten also vorsichtig behandelt werden um Beschädigungen am
Horn zu vermeiden. Nachdem der Zapfen gelöst ist werden die Hörner innen
sofort mit einer langen Flaschenbürste gereinigt. Die Bürste muss man
bis in die Hornspitze reichen, was bei langen und gedrehten Hörnern
problematisch sein kann. Anschließend gibt man einige Gebissreinigertabletten in das Horn und füllt es aufrecht stehend mit
Wasser. So lässt man die Hörner einige Zeit stehen. Der Gebissreiniger
löst dabei eventuell verbliebenes Fett auf. Dann wird Horn noch mehrfach
warm ausgespült, bis es einen sauberen Eindruck macht. Nun muss das Horn
trocknen und aushärten, bis eine weitere Bearbeitung erfolgen kann. Dazu
wird es mindestens drei Monate an einem trockenen und gut belüfteten Ort
(z.B. Speicher) gelagert. Während dieser Zeit wird sich auch der
zunächst noch ausgeprägte Kuhgeruch etwas entschärfen.
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| Abb. 14.2: Um
die Knochenzapfen zu entfernen werden die Hörner zunächst gekocht
(A)... |
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| ...anschließend
können die Zapfen z.B. mit einer Zange aus dem Horn herausgezogen
werden (B). |
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| Dieses Bild zeigt
das Größenverhältnis von Zapfen zum Horn (C). |
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Die Rohbearbeitung
Zunächst muss das Horn grob
geglättet werden. Hierfür eignen sich Bastelmesser, Skalpelle oder scharfe
Glasscherben (Abb. 14.3 A und B). Glasscherben runder Gefäße (z.B. Einmachglas) eignen sich
besonders gut, weil deren Runde Form die Bearbeitung des ebenfalls runden
Horns erleichtert. Durch schabende Bewegungen werden nun die Unebenheiten
ausgeglichen. Dabei sind zwei Dinge zu beachten:
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Je schärfer die Scherbe oder die
Klinge, desto dünner sind die abgetragenen Schichten und desto präziser
kann gearbeitet werden
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Bei der Bearbeitung von Kerben
oder Absätzen im Horn wird immer von der dicken auf die dünnere Stelle
gezogen, niemals gegen den Absatz. Ansonsten kann sich die Kerbe weiter
aufspalten.
Die Feinbearbeitung
Nach der Bearbeitung mit Messer
und Glasscheibe ist das Horn schon sehr glatt, deshalb kann daran
anschließend mit einem recht feinem Schmirgelpapier gearbeitet
werden. Zu empfehlen ist eine in einer stationären Bohrmaschine
eingespannte Fächerscheibe mit 150er Körnung. Das Horn wird immer in
Längsrichtung an der Fächerscheibe vorbei geführt, solange bis es
geglättet ist (Abb. 14.3). Danach wird mit verschiedenen Körnungen von Hand weiter
geschmirgelt. Dabei geht man wie bei der Holzbearbeitung vor: Die Körnung
wird immer dann gewechselt wenn von der vorangegangen Körnung keine
Bearbeitungsspuren mehr zu sehen sind. Je feiner geschliffen wird, desto
farbtiefer und glänzender wird das Horn. Bei den hier gezeigten Hörnern
wurde mit 150er, 240er, 400er, 600er und 1000er Körnung gearbeitet.
Das Polieren
Vor dem Polieren wird das Horn
gründlich entstaubt und ein letztes Mal auf Kratzer kontrolliert. Kratzer
die jetzt noch erkennbar sind werden bleiben. Dann wird das Horn mit einer
Polierscheibe und Polierpaste erst vorpoliert und dann auf Hochglanz
poliert.
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| Abb. 14.3: Das
Horn wird zunächst grob geglättet mit einer Glasscherbe (A)... |
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| ...oder mit einem
Skalpell (B). |
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| Bei der
Feinbearbeitung ist maschinelle Unterstützung sinnvoll (C). |
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| Der Lohn der
Arbeit: Ein bearbeitetes und ein unbearbeitetes Horn im Vergleich
(D). |
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Die Versiegelung
Fertig gekaufte Trinkhörner sind
auf der Innenseite lebensmittelgerecht versiegelt. Das hat seinen Sinn,
denn der Met soll nach Met schmecken. Ein Met mit dem Aroma von toter Kuh hat einen
mäßigen Genussfaktor. Außerdem soll das Horn gut zu reinigen sein.
Vor dem Versiegeln sollte das Horn
nochmals entfettet und desinfiziert werden.. Dazu spült man das Horn mit
einer 5%igen Wasserstoffperoxydlösung aus. Bitte nicht höher dosieren weil
ansonsten jede Maserung ausgeblichen wird. Folgende Substanzen können für
die Versiegelung benutzt werden:
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Lacke: Hier muss ein spezieller
Klarlack verwendet werden der eine Zulassung für Lebensmittel hat,
ansonsten setzen sie Ihre Gesundheit aufs Spiel!
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lebensmitteltaugliche
pflanzliche Öle
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Wasserglas (Natriumsilikat, Na2SiO3,
E550, in Wasserglas werden Eier eingelegt und damit konserviert)
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Bienenwachs
In allen Fällen wird die
Flüssigkeit in das Horn gegossen, umgeschwenkt und das Horn so
aufgestellt, das die restliche Flüssigkeit ablaufen kann. Restflüssigkeit
trocken lassen und das Trinkhorn ist fertig.
Weitere Planung:
Das Gravieren und Brennen von
Hörnern
© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck 2007
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